Mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinandersetzen
Über 100 Tage im Amt–ein kurzer Rückblick
Es sind bereits über 100 Tage vergangen, seitdem ich das Amt des Präsidenten des Bündner Kantonalen Patentjägerverbandes übernommen habe. Trotz dieser kurzen Zeit könnte ich wohl schon fast ein halbes Buch darüber schreiben.
Die mehrheitlich sehr positiven Begegnungen und Gespräche schätze ich ausserordentlich – ebenso die kritischen Dialoge. Denn gerade sie zeigen Themenfelder auf, die wir im Auge behalten und mit der nötigen Sensibilität von Grund auf analysieren müssen.
Für die zum Start wohlwollende Berichterstattung der Medien bin ich dankbar. Mein Ziel ist es, authentisch und fachlich fundiert aufzutreten. Den Bericht von «Im Namen der Wildtiere» über meine Wahl habe ich aufmerksam gelesen. Offenbar wissen sie noch nicht alles über mich. Meine Naturverbundenheit – insbesondere auch zu nicht jagdbaren Tieren – konnte ich während meiner elfjährigen Tätigkeit im Vorstand des Vereins Naturzizers intensiv einbringen und weiterentwickeln. Naturschutz liegt mir am Herzen, und ich sehe dessen grosse Bedeutung. Mein Engagement in den vergangenen Jahren, unter anderem im Bereich der Amphibienförderung, hat mein Wissen zusätzlich erweitert. Als eine Art «Startbonus» wurde mir attestiert, ich hätte nun die Chance, «entgegen vieler Erwartungen einen ökologisch differenzierten und wissenschaftlich reflektierenden Weg einzuschlagen». Auch solche Berichterstattungen sind wichtig. Sie bieten Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen. Für die zahlreichen Einladungen zu verschiedenen Anlässen danke ich herzlich. Ohne einen Anlass gegenüber anderen hervorheben zu wollen, hat mir die Veteranenlandsgemeinde in Bonaduz besonders Freude bereitet. Eine geballte Ladung Erfahrung, Engagement und Tradition war an diesem Tag spürbar. Das Bedürfnis, miteinander zu sprechen, sich auszutauschen und Anliegen mitzugeben, war gross. Solche Anlässe stärken die Jägerschaft nach innen – und damit auch unseren Verband.
Auch den diesjährigen Chargenträgerausflug sehe ich als wertvolle Gelegenheit, sich informativ auszutauschen und ungezwungen Jagdpolitik zu betreiben. Franz Balzer und Franco Simonet, den Verantwortlichen für die Organisation, danke ich herzlich für das abwechslungsreiche Rahmenprogramm.
Der Höhepunkt für viele Jägerinnen und Jäger ist zweifellos die Hochjagd. Die Vorbereitungen, die während des ganzen Jahres getroffen werden, finden ihren Höhepunkt in den 21 Jagdtagen im September. Es ist unser Privileg, draussen in der Natur unterwegs zu sein, spannende Anblicke und bleibende Erlebnisse zu sammeln, sich an kleinen Dingen zu erfreuen, den Blick schweifen zu lassen und vielleicht auch einmal ohne Handy-Empfang die Seele baumeln zu lassen. Gleichzeitig gilt es, im entscheidenden Moment die Nerven zu behalten und fokussiert zu handeln.
Jede Jägerin und jeder Jäger gehen auf ihre oder seine eigene Art auf die Jagd. Aufgesetzter Druck ist dabei das Schlechteste, was passieren kann. Gleichzeitig muss sich jede und jeder der Verantwortung für das eigene Verhalten bewusst sein. Die Meldung über den Abschuss eines Pferdes im Avers ist deshalb nicht tolerierbar. Das darf nicht passieren. Mir ist bewusst, dass bei über 5200 Jägerinnen und Jägern, die während der Jagd in den Bündner Natur unterwegs sind, Fehler und unvorhergesehene Situationen nie vollständig ausgeschlossen werden können. Ein solcher Abschuss ist jedoch unentschuldbar, schadet der gesamten Jägerschaft – und insbesondere auch unserem Verband. Nun wünsche ich allen, die auf die Niederjagd gehen, viel Freude, spannende Erlebnisse und natürlich Weidmannsheil. Geniesst die Zeit draussen in unserer wunderbaren Bündner Natur. Vielen Dank und Weidmannsheil.
Benjamin Hefti, euer Präsident
